Buchtipp: "Nachlichter" von Amy Liptop

Die Autorin Amy Liptrop ist auf den Orkney-Inseln aufgewachsen. Der Vater litt an einer bipolaren Störung und war öfters in stationärer psychiatrischer Behandlung. Die Mutter war Mitglied in einer fundamentalistischen christlichen Sekte. Kaum erwachsen entfloh Amy dem einsamen ländlichen Leben auf den Orkney-Inseln und zog nach London, wo sie sich voll in das Party-Leben stürzte. Alkohol und Drogen wurden zusehends zu einem immer größeren Problem. Schonungslos schildert sie die Abgründe und Peinlichkeiten ihrer Suchtkarriere.

Die Einsicht, dass sie ein Problem hat, kam jedoch erst spät. Bis sie sich wirklich dazu entschied, eine Therapie zu machen, musste sie viele Dinge erleben, auf die sie heute wahrlich nicht stolz ist. Sie kehrte zurück in die raue Natur der Orkney-Inseln, dem Ort ihrer Kindheit, um mit Hilfe der anonymen Alkoholiker trocken zu werden. Sie versucht, die 12 Schritte zu gehen, hat aber damit ihre eigenen Probleme; vor allem mit der strengen Religiosität der AA´s, die sie schmerzlich an die Erfahrungen mit ihrer Mutter erinnern. Die raue, abweisend wirkende Natur hilft ihr, ihren eigenen Weg in die Trockenheit zu finden. Sie beschreibt wunderbar und eindrucksvoll ihre oft zwiespältigen Gefühle und Zweifel auf dem Weg in die Trockenheit, wie sie nur eine Betroffene in Worte fassen kann. Dazu kommen herrliche und sehr sachkundige Beschreibungen der Natur und dem Leben auf den einsamen Inseln.

Ein eindrucksvolles Buch, das in England bereits ein Bestseller ist.

(Rezension von Volker Rundel, Vorstand BKMeV)

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