Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen fordert Komplexleistung

  bkmev_teaserbild_alkohol_familienkrankheit_kind_cco

Für die Rehabilitation von abhängigkeitskranken Eltern mit ihren Kindern müssen die Voraussetzung geschaffen werden, die Abhängigkeitserkrankung der Mutter oder des Vaters ganzheitlich zu behandeln und gleichzeitig Zugänge einzuräumen, um bestmöglich an der Prävention mitzuwirken und einer Entwicklung einer Suchterkrankung der Kinder gegenzusteuern.

Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation Abhängigkeitskranker, die Mütter und/oder Väter mit Kindern aufnehmen, benötigen ausreichende finanzielle Möglichkeiten, um eine eltern- und kindgerechte Ausgestaltung der Rehabilitation im Sinne eines selektivpräventiven mehrgenerationalen Angebots vorhalten zu können.

In Deutschland ist davon auszugehen, dass ca. 3 Mio. Kinder in Familien leben, in denen ein oder beide Elternteile von einer Abhängigkeitserkrankung betroffen sind. Etwa 10.000 Neugeborene leiden an Folgeschäden pränatalen Suchtmittelkonsums. Das Risiko für diese Kinder, selbst suchtmittelabhängig zu werden und/oder psychisch zu erkranken, ist bis zu sechs Mal höher als für Kinder aus Familien, die nicht von einer Abhängigkeitserkrankung betroffen sind.

Laut einer Umfrage des buss und des FVS gab es im Jahr 2017 ca. 1.000 Kinder, die sich mit einem Elternteil in eine Maßnahme der medizinischen Rehabilitation begeben haben. Per Auftrag der Kostenträger steht die Behandlung der Abhängigkeitserkrankung in der medizinischen Rehabilitation im Vordergrund. Kinder von Suchtkranken werden als sog. „Begleitkinder“ in die Rehabilitationseinrichtung aufgenommen. Der Begleitkindersatz bezieht sich auf die Kost, Logis und Betreuung während der Therapiezeiten der Eltern. Die Höhe der Vergütung ist je nach Kostenträger und Bundesland sehr unterschiedlich, definitiv aber zu geringfügig, denn die Herausforderungen, die sich für die Rehabilitationsklinik in der Behandlung von Eltern mit Kindern ergeben, sind immens. So brauchen Kinder ein Schutzraumkonzept, Eltern und Kinder bindungsbasierte Behandlungsangebote. Sie müssen - und es folgen lediglich Beispiele - mittels Psychoedukation geschult werden, um Defizite und Wissensnotstände auszugleichen. Es besteht ein Bedarf an Behandlungskonzepten zur Aufnahme von Schwangeren, entsprechend auch Expertisen hinsichtlich der Diagnostik und Betreuung von Kindern mit FASD, darüber hinaus im Bereich Trauma-, Heil- und Intensivpädagogik. Um all dem gerecht zu werden, benötigen die Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation, die Mütter und/oder Väter mit Kindern aufnehmen, die ausreichenden finanziellen Möglichkeiten einer eltern-, kindgerechten Ausgestaltung der Rehabilitation im Sinne eines selektiv-präventiven mehrgenerationalen Angebots.

(Quelle DHS)