Geschichte

Link zu: Das Blaue Kreuz in München
Link zu: Blaues Kreuz München e.V.

Beginn in der Schweiz

Am 21. September 1877

wurde der erste Blaukreuz-Verein in Genf durch den Schweizer Pfarrer Louis-Lucien Rochat mit weiteren 27 Personen gegründet. Alle verpflichteten sich durch Unterschrift zur Alkoholenthaltsamkeit.
Die Männer und Frauen der Gründergeneration verglichen sich, in Anlehnung an das kurz zuvor gegründete Rote Kreuz, mit "Krankenträgern, die sich auf den Kampfplatz des Lebens begeben, um die Opfer der Trunksucht und des Wirtshauslebens zu retten".
Daher das Symbol des Kreuzes; die Farbe Blau war seit jeher die Farbe der Abstinenzbewegungen im angelsächsischen Raum.

Die Anfänge in Deutschland

blaues_kreuz_muenchen_ev_curt_von_knobelsdorff 5. Oktober 1885:

Gründung des ersten deutschen Blaukreuz-Vereins in Hagen/Westfalen durch Pfarrer Arnold Bovet.

6. Oktober 1887:

Oberstleutnant Curt von Knobelsdorff, selbst abstinent lebender Alkoholiker, tritt dem Blauen Kreuz bei. Durch ihn wurde das Blaue Kreuz im ganzen damaligen Deutschen Reich und weit darüber hinaus verbreitet.

8. August 1892:

Gründung des Deutschen Hauptvereins des Blauen Kreuzes in (Wuppertal-) Barmen, heute: Blaues Kreuz in Deutschland e.V., und des Blaukreuz-Verlages.
In ganz Deutschland entstanden nach und nach Hunderte von Blaukreuz-Vereinen.
(Bild: Oberstleutnant Curt von Knobelsdorff)

Wiedervereinigung

In der ehemaligen DDR war das Blaue Kreuz als Verein verboten. Darum wurde am 1. Januar 1960 die Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr der Suchtgefahren (AGAS) unter dem Dach der Inneren Mission gegründet.
Nach dem Fall der Mauer schlossen sich das Blaue Kreuz und die AGAS am 11. Oktober 1991 zusammen.
Heute ist das Blaue Kreuz als Fachverband Mitglied im Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche (GVS) und Mitglied der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).
In 17 Landesverbänden arbeiten rund 1.200 Selbsthilfegruppen mit ca. 22.000 Gruppenteilnehmern. Ca. 10.000 Mitglieder und Freunde haben sich zur Alkoholenthaltsamkeit verpflichtet.

International

Im Jahre 1890

gründeten die nationalen Blaukreuz-Verbände der Schweiz, Frankreichs und Belgiens den heutigen "Internationalen Bund des Blauen Kreuzes", der heute in fast 50 Ländern Europas und Übersee tätig ist und zu dem auch das Blaue Kreuz in Deutschland e.V. gehört.

Das Blaue Kreuz in München

Am 11. August 1905

gründen fünf christliche Brüder, die einem "baptistischen Verein" angehörten, in der Wohnung des I. Th. Meier den "Evangelischen Blau-Kreuz-Verein". Bruder Schemmel wurde zum 1. Vorsitzenden, Br. Biemüller vorerst zum Kassier und bereits ein Jahr später zum 1. Vorsitzenden gewählt. Biemüller hatte dieses Amt bis 1961 - also 56 Jahre - inne. Der Schwerpunkt der damaligen Blau-Kreuz-Arbeit lag bis in die sechziger Jahre hinein in der Bibelarbeit, Gesangsstunden und der Evangelisation. Die "Trinkerrettungsarbeit" wurde bei Hausbesuchen (Jahresbericht 1919: 1169 Hausbesuche ) der ehrenamtlichen Mitglieder geleistet.

1911

schloß sich der Verein der Evangelischen Allianz an und Br. Biemüller konnte u.a. aufgrund einer Spende des Magistrats der Stadt München die Stelle eines bezahlten Vereinssekratärs antreten und legte daher seinen Vereinsvorsitz nieder. Prof. Weber übernahm bis 1917 seine Stelle als Vorsitzender. Kurz nach dem 1. Weltkrieg musste diese Stelle aus Kostengründen gestrichen werden und Br. Biemüller übernahm seine Aufgaben, wie auch den Vorsitz, wieder ehrenamtlich.

1921

war es dem Verein möglich eine BK-Schwester einzustellen. Die ersten Jahre der "Goldenen Zwanziger" waren aufgrund von großzügigen Firmenspenden und einiger Testamente zu Gunsten der Blau-Kreuz-Arbeit zufriedenstellend. Ab 1924 veranstaltete der Verein Straßensammlungen und erwirkte das Recht, diese an fünf Tagen im Monat durchzuführen.

Am 10.2.1946

findet die erste Mitgliederversammlung nach dem 2. Weltkrieg in der Wohnung der Familie Hechtl statt und die Arbeit konnte wieder aufgenommen werden, so daß sich die Blaukreuzler Ende der 50-er Jahre intensiv auf die Suche nach einem "Berufs"-Suchtarbeiter begeben konnten. 1961 wird H. Hollmann als Blaukreuz-Sekretär angestellt. Bis 1966 leitet er das Büro in den Räumen der Inneren Mission in der Landshuter Allee und wechselt dann zur Fachklinik in Radevormwald um dort die Leitung zu übernehmen.

1967

wird das erste Wohnheim für Alkoholiker in der Leopoldstraße ins Leben gerufen, muss aber 1969 wieder aufgrund fehlender Finanzmittel schliessen.

1969

integriert der neue Sekratär Kurt Riedel neue medizinische, psychologische und soziale Erkenntnisse in die Arbeit des Blauen Kreuzes und legt somit das Fundament für die heutige Ausrichtung der Suchtarbeit in München. 1975 wird unter seiner Leitung und der des Vereinsvorsitzenden Heinrich Ciesla, die Psychosoziale Beratungsstelle in der Kurfürstenstraße aufgebaut und erste Begegnungsgruppen sowie Bibelstunden eingeführt. Durch die Förderung der LH München (seit 1969) und die gute Zusammenarbeit mit der AOK München und der LVA Oberbayern kann diese Arbeit effektiver und zugleich finanziell abgesichert ausgebaut werden. 1973 wird Werner Heger, der zuvor schon ehrenamtlich für den BK in München tätig war, eingestellt und damit die Möglichkeit geschaffen, die Bereiche Gruppenarbeit und Mitarbeiter-Schulung weiter auszubauen.

1979

übernimmt Werner Heger die Leitung der Beratungsstelle, die nunmehr offiziell anerkannt wird. Damit wird diese in den flächendeckenden Plan für die Beratungsstellen in Bayern aufgenommen und erhält Fördermittel die einen verstärkten Personalausbau möglich machen. Im Blaukreuz-Haus in Krailling wird Männern mit einer abgeschlossenen Entwöhnungstherapie, für ein halbes Jahr die Möglichkeit eines betreuten Wohnens angeboten. Dieses Angebot wird später durch eine therapeutischen Wohngemeinschaft, ambulante Nachsorge und zwei Außenstellen in München-Ost und Ottobrunn, ergänzt.

Die Zahl der Selbsthilfe- oder Begegnungsgruppen, die nach wie vor die Kernbereiche des BK in München darstellen und von ehrenamtlichen Gruppenleitern betreut werden, ist mittlerweile auf über 50 angewachsen. Das Angebot wird flankierend um Begegnungsnachmittage, Wanderungen etc. ergänzt.

1991

übernimmt Theodor Kachelrieß von Herinich Ciesla den Vereinsvorsitz, muß aber aufgrund seiner gesundheitlichen Situation diesen 2002 an Werner König weiter geben.

1995

wird die Resozialisierungs-Einrichtung "Haus Rauschenberg" in der Nähe von Neustadt/Aisch übernommen und ausgebaut.

Zum 01.01.2005

wird das Blaue Kreuz Diakoniewerk mildtätige GmbH neuer Träger der Rehabilitationseinrichtung und der drei betreuten Wohngemeinschaften.

Am 29. Oktober 2005

feierte das Blaue Kreuz in München unter dem Motto "Leben kann gelingen" 100 Jahre im Auftrag der "Hilfe zur Selbsthilfe".

2009

wird Werner Heger, der 1979 die Leitung der Beratungsstelle übernommen hatte, zum Vereinsvorsitzenden gewählt. Ebenfalls 2009 wird die Kontakt- und Begegnungsstelle (KuB) in der Ainmillerstr. als sog."niederschwelliges" Angebot eröffnet.

2012

Werner Heger scheidet aus Altersgründen aus.

2013/2014 

Der "Blaues Kreuz in Deutschland – Ortsverein München" ist mittlerweile zu einem der größten Anbieter im Suchthilfeverband der LH München angewachsen. Dies erfordert in den Folgejahren umfangreiche Konsolidierungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen mit organisatorischer Trennung von hauptamtlicher und ehrenamtlicher Suchthilfe. Die psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle (PSBB) sowie die Kontakt- und Begegnungsstätte (KuB) mit einer inzwischen großen Zahl an hauptamtlichen Mitarbeitern werden, wie zuvor das Blaukreuzhaus München und das Blaukreuzhaus Rauschenberg, in das Diakoniewerk mGmbH in Wuppertal überführt.

Der Ortsverein München konzentriert sich nunmehr ausschließlich auf den Bereich der ehrenamtlichen Suchthilfe mit seinen über 50 Selbsthilfegruppen im Großraum München. Das neu geschaffene Koordinationsbüro in der Kurfürstenstr. 34 (EG) übernimmt neben den administrativen Aufgaben, die Betreuung der Selbsthilfegruppen und steht Hilfesuchenden als Erstkontaktstelle, auch bei dringenden Notfällen, mit Rat und Tat kompetent zur Seite. Zum Abschluss der Umstrukturierungsphase wird der BKiD – Ortsverein München, aus dem zuvor schon der hauptamtliche Teil der Suchthilfe ausgegliedert worden war, zum Jahresübergang 2014/15 aufgelöst.

Blaues Kreuz München e.V.

2015

Der Verein "Blaues Kreuz München e.V." wird gegründet und mit Bescheid vom 02.01.2015 vom Finanzamt München für Körperschaften als gemeinnützig anerkannt. Die Eintragung im Vereinsregister des Amtsgerichts München erfolgte am 12.01.2015 unter VR 205792.

Der Verein "Blaues Kreuz München e.V." ist mit seinen zeitgemäßen und individuell auf die Bedürfnisse der Suchtkranken und deren Angehörigen abgestimmten Angeboten, die größte Organisation innerhalb der Verbandes Blaues Kreuz in Deutschland e.V.  und im Großraum München. Für die ehrenamtlichen Aktivitäten wurden im Jahr 2014 ca. 8500 Stunden geleistet (Leitung der Selbsthilfegruppen, Einzelgespräche, Gespräche mit Angehörigen, Besuche der Klienten in der Entgiftungsphase, Gruppenleiterabende, Betreuung der Selbsthilfegruppen durch den Vorstand, Vorstandssitzungen, Betreuung der Vereinsmitglieder, Fahrbegleitung von Klienten in Therapieeinrichtungen etc.) und wöchentlich ca. 700 Alkoholkranke in unseren Selbsthilfegruppen betreut. Die ehrenamtlichen Suchthilfe ist eng, mit den Angeboten therapeutischer und psychosozialer Einrichtungen und Kliniken, verzahnt.

 

Der neue Vorstand mit dem Bundesgeschäftsführer und dem Geschäftsführer des Blau-Kreuz-Zentrums München

(v.l.n.r.: Norbert Gerstlacher (2. Vorstand), Volker Rundel (Schriftführer), Antonia Danielmeyer (Beisitzer), Dietmar Ernst (Vertreter im Vorstand des Landesverbandes Bayern), Petra Scharfen (Beisitzer), Horst Groß (Beisitzer), Reinhard Jahn (Bundesgeschäftsführer: Blaues Kreuz in Deutschland e.V.), Bernd Zschiesche (1. Vorstand), Margarete Ahl (Gruppenbetreuung), Stefan Fischer (Geschäftsführer Blaukreuz-Zentrum München), Sandra Kubale (Koordinationsbüro/Büroleitung), Dr. Markus Zoeckler (Finanzen))

2016

Der zum Jahresanfang 2015 neu gegründete Verein „Blaues Kreuz München e.V.“ (ehemals Ortsverein München) hat im Jahre 2016 - trotz stark regressiver Tendez bei einigen Kostenträgern - fast alle bürokratischen Hürden genommen, sodass das Hauptaugenmerk auf die eigentlichen Aufgaben „Suchthilfe und Suchtprävention“ gelenkt werden konnte. Das Angebot mit seinen 59 Selbsthilfegruppen wurde weiter ausgebaut und umfasst nun Hilfe für alle wichtigen Formen der Suchterkrankungen.

Wöchentlich wurden ca. 750 Klienten in den Selbsthilfegruppen betreut und damit die durchschnittliche Anzahl der Gruppenmitglieder trotz der Veränderungen, die mit der Vereinsgründung anheim gingen stabil gehalten. Besonders hervorzuheben ist die Gründung der Selbsthilfegruppe für jugendliche Alkoholkranke in Unterhaching. Ausserdem konnte die Betreuung von Alkoholkranken in Krankenhäusern durch MitarbeiterInnen des BKM e.V. in den Krankenhäusern Altperlach, Herrsching und Starnberg sowie im Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen und Krisen (ZAK) für alkoholkranke Patienten während der Entgiftungsphase ausgebaut werden. Die Gespräche, bei denen auch die Arbeitsweise und das Vorgehen in den Selbsthilfegruppen vorgestellt wird, sollen helfen die Schwellenangst vor dem ersten Besuch zu überwinden und fanden auf Anforderung der Krankenhäuser in Absprache mit den Ärzten statt. Diese Vorgehensweise sollte das sog. Lotsenprojekt ersetzen, das in Zusammenarbeit mit der Stadt München und zwei anderen Münchener Suchteinrichtungen (Kreuzbund und Club 29) erarbeitetet worden war. Das Lotsenprojekt war nicht erfolgreich und  wurde daher beendet.

Das Hauptaugenmerk der Hilfe im BKMeV war zwar weiterhin auf die Alkoholkrankheit ausgerichtet, jedoch gewannen andere Suchtformen wie z.B. Spielsucht, Tablettensucht, Internetsucht zunehmend an Bedeutung. Die Suchtprävention und die Öffentlichkeitsarbeit nahmen bei den Aktivitäten des Vereins „Blaues Kreuz München e.V.“ (BKM e.V.) einen immer breiteren Raum ein. Die Teilnahme an Informationsveranstaltungen wie Freiwilligen Messe in München, Selbsthilfezentrum in München zum Thema "Frauenspezifische Aspekte von Sucht und deren Behandlung im VR des Selbsthilfezentrums", 2x Streetlife-Festival München, Fürstenfelder Gesundheitstage,Gemeindefest in Gauting und Fürstenfeldbruck, Gesundheitstage bei Höffner in Freiham und die Mitwirkung an einer BR-Dokumentation (Plusminus ist im Oktober 2016 mit mehreren Wiederholungen im Fernsehen und Rundfunk) spiegeln die Wichtigkeit wider die der Vorstand der Öffentlichkeitsarbeit nunmehr einräumt.

Ein weiteres Hauptaugenmerk wurde auf die laufende Fort- und Weiterbildung von Gruppenleitern, Stellvertretern sowie geeigneten Gruppenmitgliedern gelegt und führte zur Neuorganisation und einem starken Ausbau der Angebote. Der Verein sieht sich auch in Zukunft in der Verpflichtung seine ehrenamtlichen Mitarbeiter bezüglich der neuen Entwicklungen in der Suchtarbeit konsequent weiterzubilden. Mit Gründung des neuen Vereins wurde das Qualitätsmanagement eingeführt, stetig weiter ausgebaut über ein jährliches Managementreview überprüft und durch ein Risikomanagement ergänzt. Mit dieser Neuorganisation in Struktur, Betriebsablauf und Finanzierung sieht sich der Verein bestens für die Zukunft aufgestellt.

2017

Die Konsolidierungsphase des noch jungen Vereins konnte erfolgreich fortgesetzt werden, sodaß finanziell wie auch verwaltungstechnisch verlässliche Grundlagen für den weiteren Ausbau der Tätigkeiten gelegt werden konnten. Das Angebot der Selbsthilfegruppen konnte um drei neue Gruppen erweitert und damit auf wöchentlich 800 Klienten ausgebaut werden. Die Fort- und Weiterbildungen für die ehrenamtlichen Mitarbeiter wurden kontinuierlich ausgebaut und die Zusammenarbeit mit der Fachambulanz „klientenzentrierte Problemberatung München" (kpb) weiter intensiviert.

Leider mussten die bisher so erfolgreichen und immer stärker nachgefragten Fahrbegleitungen von Klienten in Therapieeinrichtungen zum Ende des Jahres eingestellt werden. Der Vorstand sah sich leider gezwungen, ab Juni 2017 die Klientenfahrten in Suchtkliniken einzustellen, weil die Kostenträger (Rentenversicherungen, Krankenkassen) nicht bereit waren, die entstehenden Kosten für die Klientenfahrten vollständig zu übernehmen und den Verwaltungsaufwand für die Durchführung der Klientenfahrten auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Der zeitliche Aufwand für die Organisation der Klientenfahrten betrug pro Jahr ca. 300 geleistete Stunden, mit stark zunehmender Tendenz.. Die Kostenträger lehnten die Übernahme der hierfür entstehenden Personalkosten sowie der für unsere ehrenamtlichen Fahrer tatsächlich entfallenden Kosten vollständig ab. (Näheres hierzu können Sie auf unserer Startseite unter: Blaues Kreuz München e.V. muss Klientenfahrten von der Entgiftung zur therapeutischen Klinik einstellen) nachlesen.

Die Teilnahme an Informationsveranstaltungen wie Streetlife-Festival, diverse Gemeindefeste usw. ist mittlerweile zum Standard und Teilaspekt der Öffentlichkeitsarbeit geworden. Der Internetauftritt wurde weiter ausgebaut, technisch durch "Responsive Design" den Erfordernissen angepasst und inhaltlich neu strukturiert. Die Zusammenarbeit mit den Medien wurde intensiviert, was z.B.  zur Folge hatte, daß sich ein Vorstandsmitglied bei "Radio micro" des BR life, den Fragen von Kindern zum Thema Alkohol stellen konnte. Feststellbar ist, dass es durch die Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit zu einer bemerkenswerten Zunahme an Anfragen zur Zusammenarbeit seitens der Medien gekommen ist. Besonders erfreulich war auch festzustellen, daß die Nachfrage von Schulen an dem angebotenen Präventionsunterricht stark angestiegen war. Seit längerem war dem Vorstand bewusst, daß zukünftig besonders dem jugendlichen Klientel, sei es als direkt oder indirekt Betroffene, mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss und so ist diese Entwicklung als besonders positiv zu sehen.

2018

Der neue selbstständige Verein Blaues Kreuz München e.V. (BKM) hat im 3. Jahr seit seiner Gründung seine eigentliche Kernaufgabe, suchtkranken Menschen und deren Angehörigen sowie Interessierten Hilfen anzubieten, weiter intensivieren können. Der Vorstand hat durch verschiedene Maßnahmen, die direkt in der Suchthilfe tätigen Freiwilligen von den zunehmenden administrativen Aufgaben entlastet. Dies war dringend geboten, da die Aufgabe der Gruppenleiter sich nicht auf die Moderation einer Selbsthilfegruppe beschränkt, sondern einen ganzjährigen Einsatz für alle Gruppenmitglieder, wie z.B. auch Besuche der Mitglieder während der Entgiftungsphase im Krankenhaus u.v.m., erfordert. Zudem engagieren sich viele zusätzlich im Bereich der Suchtprävention, der Öffentlichkeitsarbeit und nehmen an Fort- und Weiterbildungsangeboten des BKMeV teil.

Mittlerweile unterhält das BKMeV 60 Selbsthilfegruppen. Am 25. Dezember und 1. Januar wurden in 2 Selbsthilfegruppen (Schwabing IV, Kurfürstenstr. 34 und Altenerding, Wendelsteinstr. 12-14) extra Gruppensitzungenen angeboten um Hilfe für jene anzubieten, die gerade während der Weihnachts- und Neujahrszeit stark unter ihrer Einsamkeit leiden. Mittlerweile kann auch eine wachsende Zahl von Angehörigen, die die Selbsthilfegruppen regelmäßig besuchen, festgestellt werden. Gerade die Angehörigen sind in der bisherigen Suchtarbeit stark vernachlässsigt worden - hier möchte der BKMeV das Angebot verstärken und dieses Thema in der Öffentlichkeit mehr in den Vordergrund bringen.

Der Vorstand hat in 2018 ein Maßnahmenpaket verabschiedet, um den Altersdurchschnitt bei den Gruppenleiter*innen und Stellvertreter*innen zu verringern. Für die Übernahme einer Gruppenleitung wird eine abgeschlossene Suchtkrankenhelferausbildung ( 19 SUKRAHE-Ausbildungen in 2018) angestrebt deren Kosten der BKMeV gänzlich übernimmt. Der Vorstand des BKM geht davon aus, dass das Thema Migration in absehbarer Zeit eine wichtige Aufgabe für die Selbsthilfe im Suchtbereich sein wird. Im Augenblick werden noch keine konkreten Maßnahmen geplant. Die Fachtagung des Selbsthilfezentrums München (SHZ) „Selbsthilfe-Gesundheit-Migration“ am 23.11.2018 lieferte erste Ansatzpunkte für eine mögliche Vorgehensweise.

Meist reicht die Zeit an einem Abend nicht, um die angesprochenen Themen in der gewünschten Gründlichkeit zu behandeln, und es fehlt der Raum für einen vertieften persönlichen Austausch. Gerade dafür bot auch in diesem Jahr wieder, neben den Mitarbeiterabenden mit seinen Fachvorträgen und den Fort- und Weiterbildungsmaßnehmen, die mehrtägige Sucht-Selbsthilfe-Tagung (27.04.2018 – 01.05.2018) im Karl Eberth Haus in Steingaden einen idealen Rahmen. Die diesjährige Tagung bot ein intensives und vielfältiges Fortbildungsprogramm rund um das Thema „Familienkrankheit Sucht“. Am 3. Dezember referierte Frau Lottermoser (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit Zusatzqualifikationen in Suchtmedizin und Psychotraumatologie, Leitende Oberärztin der Fachklinik St. Vitus GmbH Visbek) zum Thema „Vom Genuss zur Sucht – Neurobiologie der Sucht”. Hierzu wurden auch alle in München ansässigen Suchthilfeeinrichtungen und Organisationen (Kreuzbund, Club 29, Tal 19, Selbsthilfezentrum München) sowie die Presse eingeladen. Die Vortragsreihe wird 2019 aufgrund des ausserordentlichen Erfolgs fortgesetzt werden.

Neben der zunehmenden Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen, wurde auch die Zusammenarbeit mit den Medien kontinuierlich ausgebaut. Die Redaktion des Magazins “Seniorenratgeber” ist an das BKM mit der Bitte um Interviewpartner herangetreten. Dieser Wunsch konnte realisiert werden. Das Interview ist in der September-Ausgabe 2018 des Magazins erschienen. Im Patientenratgeber zum Thema Gesundheit der LMU München hat das BKM eine Anzeige platziert und am 18. Dezember wurde der 2. Vorstand des BKM von der Redaktion BR Aktuell gebeten zum Thema “Ausweitung des Alkoholverbots am Münchner Hauptbahnhof” per Telefoninterview eine Stellungnahme abzugeben. Das Interview wurde am selben Tag um 17.20 Uhr ausgestrahlt. Der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit des BKM hat in Zusammenarbeit mit dem BKD und den an der Filmproduktion Beteiligten die Organisation der Kinovorführung “Therapie für Gangster” am 7. August 2018 übernommen. Im Anschluss an die Filmvorführung ist dem Publikum Gelegenheit gegeben worden, mit dem Regisseur des Films und der Leiterin des Maßregelvollzugs zu diskutieren.

Um den vielfältigen organisatorischen Aufgaben und den gesetzten Zielsetzungen im Bereich der Fort- und Weiterbildungen zukünftig noch besser gerecht zu werden, wurde im Vorstand eine Weiterbildungsbeauftragte benannt.

2019

Die wichtigsten organisatorischen und finanziellen Probleme des neuen 2015 gegründeten selbständigen Vereins sind mittlerweile weitgehend gelöst. Das hat Raum geschaffen, sich den eigentlichen Aufgaben der Suchthilfe zu widmen. Daneben lässt sich an der erhöhten Frequenz von Nachfragen und Kontakten feststellen, dass der BKMeV in der Öffentlichkeit durch Teilnahme an Informationsveranstaltungen, den Publikationen, sowie den Präventionsmaßnahmen in Schulen, Firmen und Behörden immer besser wahrgenommen.
Besonders im Fokus des Jahres - auch in den Mitarbeiterabenden - war das Thema KT (Kontrolliertes Trinken). Aufgrund der Veränderungen - viel stärkerer Fokus auf Kompetenzverstärkung - in der therapeutischen Ausrichtung die bereits im den letzten Jahren feststellbar war, hat sich der BKMeV sehr intensiv mit diesem Thema befasst. Hierzu wurde eine Mitarbeiterin des Tal19 zu einem MAA eingeladen. Tal 19 bietet seit einigen Jahren das von Körkel initiierte Programm AkT an. (Auf Inititative und unter Federführung von Prof. Dr. Joachim Körkel wird seit Oktober 1999 von MitarbeiterInnen der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke des Caritasverbandes Nürnberg das »Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken« durchgeführt. Seit Anfang 2001 werden von Prof. Dr. Körkel und der Projektgruppe kT Fachkräfte zur Leitung von AkT-Gruppen ausgebildet. Die ausgebildeten TraininerInnen erhalten im AkT-Netzwerk umfangreiche Unterstützung.) Diesem Abend wurde ein Mitarbeiterabend vorangesetzt der Entstehungsgeschichte, Hintergründe, Argumentation etc. von KT darlegte und eine Basis für das Referat von Frau Tscherny darstellen sollte. Festgestellt wurde: Das BKM unterstützt die Angebote zum kontrollierten Trinken ausschließlich nur bei riskantem Trinkverhalten und Alkoholmissbrauch (Alkoholkrankheit liegt noch nicht vor) und in Fällen von schwerster Alkoholkrankheit, bei denen keinerlei Bereitschaft zur Abstinenz vorliegt. Die kontrollierte Abgabe von Alkohol muss jedoch mit einer therapeutischen Begleitung einhergehen. Das langfristige Ziel soll auch hier die Abstinenz sein. Der Vorstand des BKM stellt aus vorgenannten Gründen Überlegungen an, ob man die Erreichbarkeit der Suchtkranken erhöhen kann, in dem in der Anfangsphase der Behandlung das „kontrollierte Trinken“ angeboten wird. Die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, wird dadurch sicher herabgesetzt. Das Ziel ist letztlich die Abstinenz. Inwieweit es möglich ist, innerhalb des BKM Abstinenzgruppen und Gruppen für das „kontrollierte Trinken“ parallel zu führen, wird sich in Zukunft zeigen.

Neu ins Programm wurde die Kreativgruppe aufgenommen. Kreativität als Kernkompetenz soll spielerisch und in Gesprächen neu entdeckt werden und unterschiedliche Wahrnehmungen und Ressourcen wieder „zu Tage gefördert“ werden, die die Eigensensibilität und Achtsamkeit stärken.

Die Fort- und Weiterbildungsangebote wurden weiterhin vestärkt und für 18 Gruppenmitglieder die Kosten der Suchtkrankenhelferausbildung übernommen. 6 Kursteilnehmer haben im Mai 2019 ihre Ausbildung abgeschlossen. Alle bisherigen Absolventen von Suchthelferausbildungen haben Aufgaben in der Selbsthilfe übernommen.

Ein besonders verdientes Mitglied des BKM, Herr Alfred Schober, hat im Oktober 2019 das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten erhalten. Der Werdegang des Geehrten ist beispielhaft für den vorbildlichen und vielfältigen Einsatz in der Selbsthilfe. Neben den Aufgaben als Gruppenleiter war er am Aufbau eines Blaukreuzhauses als Vorstand tätig. In diesem Haus (Hort der Hoffnung) finden Menschen Zuflucht, die infolge ihrer schweren Suchterkrankung von der Gesellschaft bereits aufgegeben worden sind. Zum Jahresende 2019 schied ein weiterer sehr verdienter langjähriger Gruppenleiter, Herr Wolf Ahl, aus dem aktiven Dienst aus. Er hat seit 1980 eine Münchner Selbsthilfegruppe geleitet und wesentlich zu dem hohen Standard der Selbsthilfe des BKM beigetragen.

Herr Norbert Gerstlacher ist als Vorstand zum 31.08.2019 ausgeschieden, weil er ab 01. September 2019 in hauptamtlicher Funktion für den BKMeV, zunächst befristet und in Teilzeit bis 31.12.2019, arbeitet. Diese Stelle ist für die Verstärkung des Koordinationsbüros bei der LHM beantragt und bewilligt worden. Weiterhin ist Herr Norbert Gerstlacher in den Selbsthilfebeirat der Landeshauptstadt München als für den Gesundheitsbereich zuständiger Beirat und als Beirat am Runden Tisch der Krankenkassen wiedergewählt worden.

Zum März 2019 wurden die neuen Räume in der Hesseloherstr. 1 bezogen und hiermit sind die Voraussetzungen geschaffen worden, das Koordinationsbüro – wie schon seit längerem geplant und mittlerweile bewilligt - personell zu verstärken.
Das Koordinationsbüro des BKM ist auch 2019 hinsichtlich der Verwaltungsaufgaben durch verstärkten Einsatz datentechnischer Programme rationalisiert worden. Die Mittelbeantragung und die dazugehörigen Verwendungsnachweise werden von Vorständen in ehrenamtlicher Tätigkeit erledigt. Der Schwerpunkt der Aufgaben im Koordinationsbüro liegt im Wesentlichen in der Steuerung der Selbsthilfegruppen, in der Betreuung der Gruppenleiter, den allgemeinen Verwaltungsaufgaben wie Buchführung sowie bei den Erstgesprächen mit neuen Klienten und deren Angehörigen. Das Koordinationsbüro ist darüber hinaus Anlaufstelle für die Anliegen von Interessierten, Betroffenen und deren Angehörigen, Vereinsmitgliedern, Gruppenleitern und Gruppenmitgliedern sowie Pressevertretern. Die Mitarbeiter des Koordinationsbüros sind kompetente Ansprechpartner, die allen Hilfesuchenden mit fachkundigem Rat zur Seite stehen.

Den verstärkten Kontaktaktivitäten hin zu den Medien/ zur Presse ist es zu verdanken, dass auch 2019 Artikel veröffentlicht werden konnnte. So am 29.03.2019 im Münchner Merkur ein Artikel mit dem Titel „Raus aus dem Rausch“ und am 10.Mai 2019 stand Norbert Gerstlacher, für den studentischen Radiosender M94.5 für ein Interview zur Verfügung. Hier ging es um die Frage, wie ein Freund eines Betroffenen mit der Problematik seiner Suchterkrankung umgehen soll.

 

 

Nähere und sehr detaillierte Informationen können Sie unter dem Menüpunkt "Wir über uns" in den dort hinterlegten Jahresberichten nachlesen.